Seit meiner Kindheit lebe ich mit Hunden zusammen, auch später mal mit nicht ganz unkomplizierten Hunden. Als ich dann im letzten Jahr Cesar Millan "kennen lernte", schaute ich mir von seinen Methoden einiges ab.

 

Grundsätzlich möchte ich vorweg sagen, ich halte nicht viel davon wenn man stur nach einem bestimmten Prinzip arbeitet. Viel mehr sollte man auf sein Gefühl hören, jeden Hund und jedes "Problem" individuell betrachten und sich aus den Dingen die andere bereits probiert haben das Beste für sich und die Situation heraus suchen! :)

 

Lange Rede kurzer Sinn, oft habe ich überlegt ob ich meine Erfahrungen bzw die Geschichten um die Hunde nicht aufschreiben könnte, aber immer glaubte ich, es sei ja nichts besonderes, darum tat ich es bisher nie.

Aber nachdem nun zwei Hundefälle da sind, bei denen die Menschen so am Rande ihres Könnens und nahe der Verzweiflung waren bzw sind, denke ich, darf ich es vllt doch nieder schreiben.

 

Ich werde es so schreiben das immer der neueste Hund oben steht, ich hoffe man steigt da durch und ich hoffe ihr habt eben so viel Freude am Lesen wie ich an der Arbeit mit den Hunden! :)

 

** 07.02.2013 **

 

Münsterländermix "Kato", ca 2 Jahre jung

 

Kato´s Besitzerin rief mich vergangene Woche an, in dem festen Glauben sie müsse ihren Junghund Kato abgeben um es für ihn richtig zu machen.

 

Kato ist ein noch junger MünsterländerMix Rüde, unkastriert, der mit 9 Wochen von seinem Frauchen aus einem Zwinger geholt wurde, den er bis dahin noch nie verlassen hatte.
Kato ist panisch und hyperängstlich, samt Schilddrüsenunterfunktion - so könnte man die Beschreibung seines Frauchens zusammen fassen. 

 

Bei ihrem ersen Besuch bei mir zeigte er sich auf dem Hof super interessiert und neugierig, verspielt und aufgeweckt. Mit meinen Hunden, die ich ihm nach und nach vorstellte, einwandfrei klar, auch wenn er nach dem dritten Hund leicht überfordert war.

Seine Besitzerin und ich machten einen Spaziergang: Ich nahm Kato und sie meine Chili. Es war jetzt nicht das was ich unter einem gemütlichen Laufen verstehe, aber es war in Ordnung nach den Beschreibungen über ihn. Auf dem Rückweg sagte seine Besitzerin das er so ruhig bei ihr nie ist. Das bestärkte mich darin das es ein Problem der Besitzerin ist und eigentlich längst nicht mehr Kato´s.

Wieder zurück besprachen wir das Ganze und einigten uns, das sie Kato zurück nehmen würde, wenn wir das Problem in den Griff bekämen. Weil aber nicht nur Kato resozialisiert werden musste sondern auch Frauchen, würde sie meine Frida für eine Weile zu sich nehmen, um aus diesem Denkmuster raus zu kommen!

 

Nun, eine Woche später, am 18.02.13, brachte sie Kato zu mir. Ich ging noch eine Runde mit Frida und ihr gemeinsam spazieren, was natürlich sehr gut klappte. Dann wurde alles eingepackt und sie verabschiedete sich.

Kato war anfangs verwirrt, aber das legte sich dank Chili sehr schnell. 

 

Am ersten Tag bei mir und nach einem Telefonat mit seiner Besitzerin, fing ich an sein Futter umzustellen, denn das übliche Dosenfutter ist das absolut furchtbarste für einen Hund, meiner Meinung nach. Und da er es nur bekam weil er Trockenfutter nicht fressen würde, stand der Umstellung nichts im Wege. Auch war schnell und dank einer lieben Kollegin, ein passendes homöophatisches Mittel für Kato gefunden, welches er ab heute bekommt.

Am späten Nachmittag, als hier im Gewerbegebiet weitestgehend Ruhe eingekehrt war, borgte ich mir den kleinen Motorroller vom Nachbarn (hier sind meine Füße näher am Boden als beim Fahrrad), schnappte mir Kato und fuhr mit ihm hier rauf und runter und das Prinziep "Ein Hund kann sich nur auf eines konzentrieren: Angst oder Laufen" klappte es auch einwandfrei. Und Kato war endlich ein wenig ausgelastet.

 

20.02.13

Nun ist er den zweiten Morgen bei mir, die Futterumstellung klappt schon ganz gut und das füttern aus der Hand hilft sehr gut eine Bindung zwischen uns beiden aufzubauen. Die Mischung aus Reis, Hüttenkäse und TroFu nimmt Kato mittlerweile sehr gut! 

Auch mit den Katzen klappt es immer besser, jetzt können die Miezen auch schon mal direkt vor seiner Nase auf das Sofa springen ohne das Kato sich auch nur einmal regt. Ich bin richtig stolz auf den Burschen! :)

 

26.02.13

Kato macht gute wenn auch kleine Fortschritte. Die Katzen sind im mittlerweile völlig egal, seit heute Abend freut er sich endlich auf sein Futter und putzt alles weg und er fängt an sich für Streicheleinheiten zu begeistern und sie auch zu genießen.    Sein Vertrauen in mich wächst stetig, wenn es auch noch nicht überragend ist, aber wir sind auf dem richtigen Weg! :)

Heute Abend habe ich mit seiner Besitzerin wieder einmal gesprochen und als sie wieder in ihren alten Denkmustern über Kato sprach, redeten wir Klartext.  Wir sind beide zu dem Entschluß gekommen das Kato bei erfahrenen Menschen besser aufgehoben ist als bei ihr, also wird Kato in die Vermittlung kommen und hoffentlich bald seine ganz eigene passende Familie finden!

Und jaaa, am Sonntag kommt mein Fridchen auch endlich zu mir zurück! *freu

Schauen wir wie sich die Ruhe von Frida auf Kato auswirkt, es kann nur besser werden! :)

 

28.02.13

Und auf einmal komme zwei Schritte nach vorne auf einmal:

Gestern Abend lief Kato zum ersten Mal das Wasser im Mund zusammen als ich mit dem Futter kam und heute Vormittag lag er zum ersten Mal völlig entspannt in der großen Box die in meiner Stube steht und hat darin geschlafen! :D
Es ist herrlich das mit an zusehen und ich weiß nun, das auch dieser Hund, der sein Leben lang in Angst gelebt hat, irgendwann ganz normal sein wird und darüber freue ich mich riesig!! :) 

Rauhaardackelrüde Gustav, knapp 7 Jahre jung

 

Auf der Arbeit sprach mich ein Gast an, sie habe Probleme mit ihrem Dackel den sie dringend abgeben muss weil ihre Tochter Angst vor ihm hat und ob ich ihr helfen könnte. Wir haben kurz geredet und ich gab ihr meine Nr und Mailadresse.

Noch am gleichen Abend bekam ich eine Mail, mit Bildern und allen Infos zu Gustav, wie der kleine Racker heißt.

 

Wir vereinbarten, dass ich sie erst einmal besuchen würde und um mir das Spiel genauer anzusehen. Am 22.01.13 fuhr ich dorthin, die Besitzerin empfing mich, mit Gustav an der Rollleine, auf dem Parkplatz.

Gustav bestimmte wo es lang ging, bellte aufgeregt und ich amüsierte mich ehrlich gesagt ein wenig über diesen kleinen Hund! Kurz darauf übernahm ich ihn und machte ihm klar das es nun in meine Richtung gehen würde.

Je näher wir ans Haus kamen, desto unruhiger wurde er, bellte viel und versuchte zu ziehen wie ein kleiner Derwisch. Ich bat die Besitzerin doch schon mal vor zu gehen und ich testete den berühmten Dackelsturkopf aus. 

Es dauerte auch wirklich eine ganze Weile bis er sich ruhig war und wir zum Haus gehen konnten. Drinnen wollte er sofort an Frauchens Seite und das mit viel Alarm, als ich ihn nicht ließ und kurz nicht aufpasste (Schuhe ausziehen), bieß der Kleine mich auch gleich mal ordentlich in die Wade. Das erste Mal das mich ein Hund wirklich beißt und dann ist es ein Dackel... -,-

Im Haus zeigte er sich von seiner guten, aber nicht besten Seite. Er bellte viel, rannte umher und versuchte mich einzuschüchtern. Als ich ihm sein Körbchen streitig machte, war er gänzlich verwirrt und gab auf, so dass ich mich dann doch noch mit seiner Besitzerin in Ruhe unterhalten konnte.

 

Wir trafen eine Vereinbarung: Da ich keine Ahnung hatte, wie meine beiden Mädels auf einen kleinen Lausbuben, und wie dieser aus einer jagdlich geführten Zucht, auf meine Katzen reagieren würde, brachte die Besitzerin Gustav nur zwei Tage später morgens vor ihrer Arbeit zu mir und mittags würde sie mir entweder seine ganzen Sache übergeben oder eben ihn wieder mit.

Sie brachte mir seine Sachen...

 

Das Interessante, oder eigentlich das was ich erwartet hatte, passierte direkt am morgen nachdem Frauchen mir Gustav übergab: der kleine Derwisch verschwand und ein etwas unsicherer Dackelrüde blieb zurück.

Der erste männliche Besuch kam eine Stunde später und Gustav bellte wie ein Verrückter - woher so ein klein Hund so lautes und tiefes Bellen holte, möchte ich gar nicht wissen.

 

Viel machte ich eigentlich nicht mit ihm, außer im klare Regeln und Grenzen zu setzten, ihn nicht wie erwünscht, auf´s Sofa zu lassen und ihn zu korriegieren wenn er bellte oder knurrte. Ansonsten ließ ich ihn einfach in meinem kleinen Rudel mit laufen und der kleine Mann lebte sich ganz geschmeidig ein.

 

Ach so, die Katzen sind zum Glück nicht wirklich ein Problem: In der Wohnung hat er sich schnell dran gewöhnt und verliebte sich sogar für ein paar Tage in meinen Kastraten, draußen bellt er gerne mal wenn er eine Katze auf dem Holzstapel "stellt", während die Mieze sich genüßlich das Fell putzt! ;)

 

Am 05.02.13 war ich dann auch endlich bei seiner Tierärztin, die er seit 2009 nicht mehr gesehen hatte, also auch keine Impfungen bekam...  Ich hatte einen Kastrationstemin vereinbart, aber als wir dort waren stellte sich heraus dass das nicht so einfach möglich war. Gustav hat einen innenliegenden Hoden weswegen eine Bauch OP nötig wäre, was dann mal eben locker das doppelte kosten würde. Da ich das Geld nicht einfach mal eben so hatte, ließ ich ihm eine chemische Kastration verpassen, in Form eines Hormonchips. Hiermit würde er ebenfalls nach ca 6 Wochen für ein halbes Jahr wie kastriert sein. 

 

Mittlerweile, 15.02.13, ist Gustav wieder Menschenkompatibel, er bellt anfangs mal kurz und versucht auch zwischen durch ab und an noch seine alten Marotten, durch Bellen Aufmerksamkeit zu bekommen, aber wenn er das nicht bekommt, ist Ruhe und man kann toll mit ihm zusammen leben!

Jetzt gilt es nur noch die passende Familie für ihn zu finden! :)

 

04.03.13

Gustav hat sich die letzten Wochen immer weiter in eine gute Richtung verändert, das Sofa war gar kein Thema mehr, er konnte Stundenlang alleine bleiben und Besucher wurden - wenn überhaupt - nur anfangs kurz angebellt und dann war Ruhe und er war ein anschmiegsamer kleiner Dackelmann! :D

Es ist herrlich zu sehen wie Gustav sich entwickelt hat und ich hoffe, seine zukünftigen Besitzer werden viel Freude an und mit ihm haben!! :)