Die Milch macht´s! Wirklich?

Eckhardt Martin - Paracelsus Magazin

 

Warum nur werden manche Gesundheits-Mythen gegen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse über Generationen gepflegt und nie in Zweifel gezogen? Es muss ja nicht immer kriminelle Profitgier dahinter stecken wie bei der gezielten Fehlinformation durch die Zigarettenindustrie, oder doch? Paracelsus räumt mit dem ebenso hartnäckigen wie falschen Mythos auf, Milch sei das gesunde Nahrungsmittel schlechthin.

 

Die landläufigen Vorstellungen von der Milch als gesundem Nahrungsmittel sind abenteuerlich, und zwar abenteuerlich falsch. Zunächst einmal: Kuhmilch ist gesund für Kälber – das auch nur, solange sie kein Gras verdauen können – aber nicht für Menschen. Und für erwachsene Menschen schon gar nicht. Jedenfalls nicht nach dem Plan der Natur. Auch wenn uns die Europa weite Agrarpolitik und die geballte Macht der Werbung dies anders verkaufen wollen.

Im Gegensatz zu Säuglingen und Kleinkindern fehlen Erwachsenen die Verdauungsenzyme Renin und Laktase: die Milch wird im Darm nicht korrekt abgebaut, sie reagieren mit Hautproblemen oder Verdauungsstörungen, können die Ursache aber selten zuordnen. Bei immer mehr Menschen tritt aber eine genetisch bedingte Laktose- (Milchzucker-) Intoleranz auf mit unangenehmen Folgen wie Verdauungsstörungen mit Durchfällen, Übelkeit und Bauchschmerzen, Diarrhoe und Obstipation, mit Reaktionen über die Haut wie Hautausschlägen bis hin zu Neurodermitis oder Psoriasis, mit Schwindel, Schlafstörungen und Depressionen. Während manche Betroffenen schon auf kleinste Mengen mit heftigen Beschwerden reagieren, führt Laktoseintoleranz bei anderen nur zu leichteren Beschwerden, und die Milch wird nicht gleich als Übeltäter erkannt.

Wichtig für den Therapeuten ist die Differentialdiagnose zur Milchallergie. Es muss abgeklärt werden, ob eine immunologische Reaktion des Körpers auf bestimmte Milcheiweiße (Laktalbumin, Laktoglobulin, Kasein) mit entsprechender Antikörperbildung vorliegt, die zu ähnlichen Beschwerden führen kann, jedoch therapeutisch völlig andere Maßnahmen verlangt. Mitunter tritt die Laktoseintoleranz gemeinsam mit einer Allergie auf. 15 bis 20 Prozent der erwachsenen Deutschen sind genetisch zur Laktoseintoleranz veranlagt, in südlichen Ländern ist die Veranlagung noch häufiger anzutreffen.

Clever reagiert der Handel auf die Erkenntnisse von Medizin und Forschung: Er verkauft, gegen erheblichen Aufpreis selbstverständlich "laktosefreie" Produkte (Milch, Sahne, Joghurt, Pudding), bei denen der Milchzucker bereits aufgespalten ist. Es gibt etliche Laktase-Präparate, die in die Milch oder das Joghurt eingerührt werden sollen. Das soll Beschwerdefreiheit und eine schnelle Verbesserung der Lebensqualität für die Betroffenen bringen, möglichst bei weiterhin steigenden Umsätzen für die Herren Unternehmer der Milchwirtschaft die siich Gesundbeter eines höchst dubiosen Nahrungsmittels hervortun. Die Milch macht’s! So gesund, wie die Formel es suggeriert, ist sie nun wirklich nicht!

 

Die Milch macht auch in anderer Hinsicht eine alles andere als eine gute Figur. Sie enthält hohe Mengen an Östrogen und Progesteron, die das Brust-, Ovarial- und Gebärmutterkrebsrisiko signifikant erhöhen, darüber hinaus die bei Menschen und Rindern identischen Wachstumshormone IGF I und IGF II. Das Futter unserer Milchkühe: wenig Grün, umso mehr Kraftfutter, das (nachdem BSE-verseuchtes Tierkadaverpulver nicht mehr hineingerührt werden darf ) immer noch fleißig Chemie (Pestizide, Herbizide, Fungizide usw.) enthält. Auch die Bilanz des Nahrungsmittels Milch ist verheerend! Der Klimakiller Kuh erzeugt täglich einige hundert Liter Methangas, pro Liter Milch ein Äquivalent von fast einem Kilogramm CO2, die Emission eines vollbesetzten Mittelklasse-PKWs für 6 km Fahrtstrecke. Milch trinken ist, global betrachtet, so klimaschädlich wie der Flugverkehr. Unterm Strich gesehen hat die Milch, nach der Werbung unverzichtbar, weil ja sooo gesund, reichlich gesundheits- und umweltschädliches Potenzial.

Wirklich wundern kann den Betrachter die steile Karriere der Milch nicht. Seit der Gründung der EG im Jahr 1957 ist die Milchpolitik wichtigste Säule der gemeinsamen Agrarpolitik der Mitgliedsstaaten. Hohe Subventionen und staatliche Garantieabnahme führen zu massiver Überproduktion, und mit verlogenen Werbemaßnahmen muss dann das Konsumentenverhalten verändert werden, damit Milchseen und Butterberge nicht in den Himmel wachsen. Mit fatalen Folgen für die Gesundheit.

 

Die mögliche Rolle weiblicher Sexualhormone in der Milch schwangerer Kühe bei der Entwicklung von Brust-Ovarial- und Gebärmutterkrebs.

 

Die weltweit anhaltend steigende Häufigkeit einiger Hormon gesteuerter Krebsarten gibt Anlass zu großer Besorgnis. Obwohl östrogenartige Substanzen aus der Umwelt dafür verantwortlich gemacht werden, wird die mögliche Rolle endogener Östrogene durch die Ernährung nicht breit diskutiert. Wir sind besonders hinsichtlich der Kuhmilch besorgt, die eine beträchtliche Menge Östrogene enthält.

Wenn wir Kuhmilch als eine bedeutende Quelle von Östrogenen nennen, denen Menschen heute ausgesetzt sind, ist die generelle Antwort der Vertreter des westlichen Kulturkreises, dass "die Menschen seit 2000 Jahren ohne offensichtlichen Schaden Kuhmilch getrunken hätten". Die Milch, die wir heute konsumieren ist jedoch sehr verschieden von der Milch, die vor 100 Jahren konsumiert wurde. Ganz im Unterschied zu ihren Gras und Heu fressenden Vorgängerinnen vor 100 Jahren, sind moderne Milchkühe normalerweise schwanger und werden weiter während der letzten Hälfte ihrer Schwangerschaft gemolken, dann, wenn sich die Konzentration der Östrogene im Blut und auch in der Milch erhöht. Die Korrelation der Häufigkeit von Neuerkrankungen und von Todesraten mit verschiedenen Umwelteinflüssen in vielen Ländern rund um den Erdball ergibt brauchbare Hinweise auf die Ätiologie von Krebserkrankungen. In dieser Studie haben wir die Häufigkeit des Auftretens von Brust-Ovarial- und Gebärmutterkrebs (1993-1997 Krebsfallzahlen in fünf Kontinenten) in Beziehung zur Nahrungsaufnahme (1961-1997 von FAOSTAT) in 40 Ländern gesetzt. Fleischkonsum korrelierte am engsten mit dem Auftreten von Brustkrebs (r=0.827), gefolgt von Milch (0.817) und Käse (0.751). Die stufenweise "multiple-regression analysis (SMRA)" identifizierte Fleisch als den Hauptfaktor, der zu Brustkrebs beiträgt ([R]=0.862). Milch hatte die engste Korrelation zum Vorkommen von Ovarialkrebs (r=0.779), gefolgt von tierischen Fetten (0.717) und Käse (0.697). Die SMRA zeigte, dass Milch plus Käse auch den Hauptbeitrag zum Auftreten von Ovarialkrebs ([R]=0.767) leisteten. Milch korrelierte am engsten mit Gebärmutterkrebs (r=0.814), gefolgt von Käse (0.787). Die SMRA zeigte, dass Milch plus Käse den deutlichsten Beitrag zum Vorkommen von Gebärmutterkrebs ([R]=0.861) lieferte.


Unsere Schlussfolgerung daraus ist, dass tierische Nahrungsmittel ungünstige Auswirkungen auf die Entwicklung Hormon abhängiger Krebsarten haben könnten. Unter den ernährungsbedingten Risikofaktoren sind wir höchst besorgt hinsichtlich Milch und Milchprodukten, weil die Milch, die wir heute trinken von schwangeren Kühen stammt, deren Östrogen- und Progesteron-Spiegel sichtbar erhöht sind.

 

 

Hinzuzufügen bleibt, dass in der Milch nicht nur Sexualhormone durch die dauernde Trächtigkeit von Milchkühen erhöht sind, sondern auch Wachstumshormone, denn Embryos müssen wachsen. Spezielle Wachstumshormone, wie IGF I und IGF II sind bei Mensch und Rind identisch, so dass der Mensch über Milchprodukte auch ein mehr an Wachstumshormonen abbekommt.

Quelle: Ganmaa D, Sato A. Department of Environmental Health, Medical University of Yamanashi, Tamaho, Yamanashi 409-3898, Japan; Department of Nutrition, Harvard School of Public Health, 665 Huntington Avenue, Boston, MA 02115, USA.