Brief eines Perrera Mitarbeiters - 2010
Ich glaube, unsere Gesellschaft braucht ein Weckruf. Als Leiter
einer Perrera , werde ich was mit Euch teilen ... ein Blick von
"innen", wenn Ihr mir erlaubt.
Zunächst an alle Züchter und Verkäufer von Hunden, Ihr solltet
zumindest einen Tag in einer Perrera arbeiten. Wenn Ihr vielleicht
den traurigen, verlorenen Blick in den Augen der Hunde seht,
würdet Ihr Eure Meinung ändern und nicht an Menschen ver-
kaufen, die ihr gar nicht kennt. Gerade diese Welpen könnten
am Ende in meiner Perrera landen, wenn er nicht mehr ein süßes
Hundebaby ist. Wie würdet Ihr euch fühlen, wenn Ihr wüsstet,
dass es eine 90%ige Chance besteht, dass dieser Hund nie mehr
aus dem Zwinger kommt, wenn er erstmal hier landet? 50% der
Hunde, die hier abgegeben werden oder verirrt rum laufen sind
reinrassige Tiere.
Hier die häufigsten Ausreden die ich höre, sind:
- "Wir sind umgezogen und ich kann unseren Hund / unsere Katze
- nicht mitnehmen."
- Wirklich? Wohin ziehen Sie denn und warum suchen Sie
- sich nicht eine Wohnung oder ein Haus in dem sie mit
- ihrem Tier leben können?
- "Der Hund wurde größer, als wir dachten."
- Und was dachten Sie denn wie große ein deutscher
- Schäferhund wird????
- "Ich habe keine Zeit mehr für das Tier".
- Wirklich? Ich arbeite 10 oder 12 Stunden am Tag und
- ich habe immer noch Zeit für meine 6 Hunde.
- "Er zerstört meinen ganzen Garten "
- Also, warum haben Sie ihn nicht im Haus mit der Familie?
- Dann sagen sie immer: "Wir wollen nicht nerven und darauf
- beharren, dass Sie ihm ein gutes Zuhause suchen, denn wir
- wissen, dass sie ihn adoptieren werden, er ist nämlich ein guter
- Hund.“
- Das Traurige daran ist, dass Dein Haustier nicht adoptiert
- wird und weißt Du, wie stressig es in einem Zwinger ist?
Nun, lass es mich Dir mal erklären:
Dein Tier hat 72 Stunden Zeit eine neue Familie zu finden.
Manchmal ein wenig länger, wenn die Zwinger nicht so voll
sind und er völlig gesund bleibt. Wenn Dein Tier sich erkältet,
stirbt es.
Die Katzen sehen ihrem sicheren Tod entgegen.
Dein Haustier wird in einen kleinen Käfig eingesperrt,
umgeben vom lauten Bellen und Schreien von 25 anderen
Tieren.
Dein Haustier wird weinen und deprimiert sein und auf seine
Familie warten, die ihn verlassen hat. Wenn Dein Tier Glück
hat und es genügend Freiwillige gibt, könnte es sein, dass er
mal ausgeführt wird. Wenn nicht, wird Dein Haustier keinerlei Aufmerksamkeit erhalten, abgesehen von einem Teller mit
Essen welcher unter die Zwingertür geschoben wird und eine
Dusche mit Wasser, um die Exkremente raus zu spülen.
Wenn Dein Hund groß, schwarz oder einer Kampfhundrasse
(Pit Bull, Dogge ...) angehört hast Du ihn in den sicheren Tod
geführt in dem Augenblick in dem Du mit ihm durch die Tür
gekommen bist. Diese Hunde werden in der Regel nicht ange-
nommen. Egal wie "süß" oder wie "trainiert" er ist.
Wenn Dein Hund nicht in den 72 Stunden adoptiert wird und
die Perrera voll ist wird er sterben.
Wenn die Perrera nicht voll ist und Dein Hund attraktiv und
süß ist, kann man möglicherweise seine Hinrichtung verzögern,
aber nicht für lange.
Die meisten Hunde werden sofort umgebracht, wenn sie sich
aggressiv zeigen, aber selbst der ruhigste Hund kann solch ein
Verhalten zeigen, wenn er eingesperrt wird und die Veränder-
ungen seines Umfeldes nicht verträgt.
Wenn Dein Hund sich mit Zwingerhusten infiziert (Canine
infektiöse Tracheobronchitis) oder einer anderen Infektionen
der Atemwege, wird er unverzüglich getötet, einfach weil wir
keine Ressourcen haben, um Therapien in Höhe von 150,-- €
zu bezahlen.
Und nun möchte ich Euch was über die Euthanasie schreiben
für all die, die noch nie erlebt haben, wie ein vollkommen
gesundes Tier umgebracht wird:
Als erstes werden die Hunde mit einer Leine aus ihrem Zwinger
geholt, sie denken, dass sie spazieren gehen werden und wedeln
mit dem Schwanz.
Bis wir in "den Raum" kommen, dort bremst jeder Hund ab. Ich
bin davon überzeugt, dass sie den Tod und alle verlorenen Seelen
riechen, die dort sterben mussten. Es ist seltsam, aber es passiert
mit jedem von ihnen.
Dein Hund oder deine Katze wird von 1-2 Menschen gehalten, je
nachdem wie nervös oder groß das Tier ist. Dann wird jemand
von der Verwaltung oder ein Tierarzt den Sterbeprozess einleiten.
Es wird eine Ader in ihrem Vorderbein gesucht eine Dosis einer
"pinken Substanz" injiziert. Hoffentlich ist Dein Haustier nicht scheu,
wenn es von mehreren gehalten wird. Ich habe Hunde gesehen,
die sich die Kanüle raus gerissen haben und in ihrem Blut gebadet
haben, begleitet von lauten Weinen und Schreien. Viele schlafen
nicht einfach ein, sie krampfen und ringen nach Luft und koten
sich ein.
Wenn alles fertig ist, wird Dein Tier wie ein Stück Holz gestapelt
auf die anderen Hunde, die schon in der Gefriertruhe liegen, um
darauf zu warten wie Abfall abgeholt zu werden. Was passiert als
nächstes? Wird es eingeäschert oder begraben? Wird es als Tierfutter
verarbeitet? Du wirst es nicht erfahren, aber es war ja nur ein
Tier und Du kannst Dir ja jederzeit ein Neues holen, richtig?
Ich hoffe, wenn Du bis hierher gelesen hast, dass sich Deine
Augen getrübt haben und Dir die Bilder nicht aus dem Kopf
gehen, denn ich sehe sie jeden Tag, wenn ich nach Hause komme
von der Arbeit.
Ich hasse meinen Job, ich hasse es dass es ihn überhaupt gibt und
ich hasse es zu wissen, dass es ihn weiterhin geben wird, wenn ihr
Euch nicht ändert.
Zwischen 9 und 11 Millionen Tiere sterben weltweit jeden Tag in
den Perreras und nur Du kannst das stoppen. Ich mache alles
mögliche, um jedes Leben zu retten, aber die Tierheime sind
immer voll und jeden Tag gibt es mehr Tiere die rein kommen
als die die raus dürfen.
Bitte züchte oder kaufe nicht, solange Hunde in
den Perreras sterben.
Hasse mich, wenn Du möchtest. Die Wahrheit tut immer weh
und das ist nun mal die Realität. Ich hoffe nur, dass ich mit
diesem Brief die Menschen erreichen kann, die züchten, ihre
Tiere aussetzen oder wahllos kaufen.
Ich wünschte, jemand würde zu mir auf die Arbeit kommen und
sagen: "Ich habe ihren Brief gelesen und möchte ein Tier
adoptieren". Dann hätte sich alles gelohnt.
Bitte, wenn Du möchtest, dass sich das ändert, verteile meinen
Brief großzügig.
Jazz M. Onster.
